Die Silberweide im Kirbachtal
- Carsten-Tim Vordermeier
- 21. Mai 2024
- 3 Min. Lesezeit
Mir geht es nicht allgemein um die Silberweide. Mir geht es um einen besonderen Baum, den zu besuchen, nicht nur für mich, ein Erlebnis ist und trotzdem möchte ich auch ganz allgemein auf die Weide eingehen.
Weiden wachsen, wo es feucht ist, gerne an Fluss- und Bachufern und sie mögen diese Feuchte. In Gegenden, in denen es häufig Hochwasser gibt, können sie zu sehr großen Geschöpfen heranwachsen. Ihr Name stammt wohl daher, dass die Blätter, gerade von Weitem, silbrig die Sonne reflektieren. In der Tat sind die Blätter der Silberweide am unteren Bereich silbrig.
Sie hat viele Namen und wird u. A. gerne auch Grauweide, Bachweide, Weihbuschen oder auch Fieberweide genannt.
Als Heilpflanze ist sie fiebersenkend und wirkt auch entzündungshemmend, gegen Erkältungen, Rheuma, Gicht und vieles mehr. Die Rinde der jungen Zweige beinhalten u. A. Gerbstoffe, Salicylsäure und Flavonoide.

Die Weide (Felber) im Allgemeinen war bei den Kelten der Göttin Brigid geweiht. Gerade die Frühe Blüte (die Silberweide blüht etwas später) und die jungen Zweige stehen für die weiße Göttin und die Jungfrau. Passend dazu, die Weidenblätter sollen als Sud oder Tee die Fruchtbarkeit und die Libido senken. Gleichzeitig ist die Weide auch ein Baum der schwarzen Göttin und wird mit der Einsamkeit, dem Tod und der Trauer in Verbindung gebracht. Die Greisin verkörpert die Weide oft mit ihrem hohlen Stamm. Der üppige und schnelle wuchs der Weide könnte für die Fruchtbarkeit, die rote Göttin und die Mutter stehen. Sie treibt immer aus. Die Weide kann somit gerne als ein Baum der dreifachen Göttin gesehen werden.
Der Name der Weide bedeutet winden oder biegen. Mit Weidenruten kann man flechten und wunderbar Körbe herstellen. Die Wände keltischer Häuser bestanden aus so einem Geflecht. Weiden galten als wichtiger Baustofflieferant.
Kommen wir zu einem bestimmten Baumwesen, welches im Kirbachtal unterhalb von Kleinsachsenheim im Gebiet Langmantel wohnt. Diese Silberweide steht direkt am Schlankenbächle. Dieses „Bächle“ vereint sich unweit von der Silberweide mit dem Kirbach. Von weitem schon, scheint sie einem über die Wiese zuzuwinken und einen herzurufen. Ich ertappe mich dabei, dass ich schneller werde und es kaum erwarten kann bei ihr anzukommen. Für mich hat diese Silberweide nichts mit Trauer zu tun. Im Gegenteil, sie versprüht pure Lebensfreude und Lebenskraft.

Man wird still, wenn man bei ihr ankommt. Das geht nicht nur mir so, das konnte ich bisher bei jedem beobachten, mit dem ich diesen Ort besucht habe. Schnell kommt ein Gefühl der Dankbarkeit auf. Für die Schönheit und das Licht, welches dieser Baum ausstrahlt, für die Gastfreundschaft des Ortes und einfach nur um hier sein zu dürfen. Neben dem üppigen Wuchs fällt als erstes ihr hohler Stamm auf, der den Eindruck macht, dass die Weide gleich in sich zusammenfallen muss. Man berührt den Stamm automatisch behutsam und mit Bedacht. Wenn der Blick dann in den hohlen Stamm fällt, passiert es. Der Blick wird erwidert und es schaut dich von oben ein Wesen an, welches mich an eine alte Frau, oder einen Ent mit hoher Stirn aus Herr der Ringe erinnert. In Kombination mit dem hohlen Stamm sieht es aus, als ob sie die Arme ausbreitet und im Stamm wird man von ihr umarmt. Ein unbeschreibliches Gefühl von Geborgenheit.

An dieser Stelle kann man demnach mit einem wunderbaren Naturwesen in Kontakt treten, welches seinen Fokus um die Weide gelegt hat. Im Grunde habe ich bei dieser Silberweide gelernt, Naturwesen nicht nur wahrzunehmen, sondern mit ihnen zu kommunizieren. Hier hatte ich meinen Aha-Effekt. Dieses Naturwesen scheint in meiner Wahrnehmung sehr kontaktfreudig. Naturwesen kommunizieren über die Gefühlsebene, bei diesem Wesen spüre ich viel Freundlichkeit, Heiterkeit, Verspieltheit und Freude. Zum Thema Naturwesen bzw. Elementarwesen, werde ich hier sicherlich einen eigenen Blogbeitrag schreiben. Direkt an der Silberweide wächst ein wunderbarer Holunder. Es scheint, dass sie miteinander spielen und sich gegenseitig schützen. Der Holunder kümmert sich um die Silberweide und umgekehrt. Beide, die Weide und der Holunder, zählen zu den Schwellenbäumen und sind somit ein Tor zur Anderswelt. Hier ist der Schleier dünn, wie man so schön sagt. Und ja, die Silberweide ist meines Erachtens ein wunderbarer Ort für Schwellenrituale. Auch ich habe diesen Ort schon für ein Schwellenritual gewählt und wurde hier wunderbar unterstützt.
Diese Silberweide ist ein Baum der tief berührt und ich habe hier schon oft die Zeit vergessen. Es ist für mich ein wahrer Kraftort bei dem man das „Hier und Jetzt“ voll und ganz genießen kann.
Quelle und Buchempfehlung: Pflanzen der Kelten, Wolf Dieter Storl
Standort: 48.980523756787484, 9.045514205772314






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